Hörspiele in der gemeindlichen Arbeit

Teile deine Erkenntnisse mit dem #relilab

Geschichtenerzählen und Zuhören gehört seit der Ausbildung der Sprache zu unserer Kultur. Die Digitalisierung ermöglicht neue Formen des Erzählens und/oder kleidet tradierte Muster in neuem Gewand.

Erzähl mir etwas!

Weit bevor die Erzählungen des Alten Testaments in ihrer skriptografischen Form vorlagen, wurden die Geschichten mündlich überliefert. Jemanden beim Erzählen einer Geschichte zuzuhören bereitet uns heute noch große Freude. Die Distributionswege haben sich zusätzlich im Zuge der Digitalisierung erweitert: Ob gestreamter Podcast, sich auf CDs befindende Hörspiele oder gechipte Figuren, die auf Hörspielboxen abgespielt werden können – die Umwandlung von Sprache in Nullen und Einsen ermöglicht einen vielfältigen Zugriff auf Geschichten.

Technologie beeinflusst dabei die Darstellungsform sowie die Wirkung. Dabei schafft sie Barrieren, z.B. Text- und Schriftverständnis bei Smartphoneanwendungen oder umgeht diese, z.B. durch Sprach- oder Touchbedienung.

In einigen Bereichen der Gemeindearbeit kann es sinnvoll sein Audiokommentare zum Anhören anzubieten. Etwa, wenn (kleinere) Kinder angesprochen werden – aber auch für Menschen die auf barrierefreie Umgebungen angewiesen sind.

Hier werden drei Beispiele vorgestellt, wie ein solcher Einsatz in die eigene Gemeindearbeit integriert werden kann:

  • Audiodateien mit QR-Codes abrufen
  • Audiowalks mit der Anwendung Ortspiel/Storydive
  • Hörspielboxen selbst gestalten

Audiodateien mit QR-Codes abrufen

Als fiktives Beispiel nehmen wir die Passionszeit. Wir möchten den Gemeindemitgliedern die Ostergeschichte erzählen und haben verschieden Stationen mit Bildern, Texten und weiteren Materialien vorbereitet. Nun möchten wir dort QR-Codes anbringen, die mit dem Smartphone gelesen werden können, welches folgend  eine Audiodatei abspielt.

Hierfür sind zunächst drei Schritte notwendig:

  • Erstellung der Audiodateien, also Aufnehmen der Texte
  • Hochladen der Audiodateien auf eine Internetseite oder ein Medienportal
  • Verknüpfen der Audiodateien mit QR-Codes

Schritt 1: Erstellung der Audiodateien

Beinahe jedes Smartphone besitzt eine Diktierfunktion. Damit kann der Ton aufgenommen werden. Es ist auch möglich, dass man sich über einen Messenger eine Sprachnachricht zusendet und diese abspeichert. Oftmals liegt die Datei dann in einem anderen, als das benötigte MP3-Format vor (nämlich m4a). Diese lassen sich am Computer leicht mit dem VLC-Player[1] in das MP3-Format umwandeln. Darüber hinaus gibt es auch APPs für das Smartphone (z.B. Medien konverter) und Internetseiten (z.B. https://convertio.co/de/m4a-mp3/ , die dies können. 

Für eine bessere Qualität empfiehlt sich ein Kondensator-Mikrofon (z.B. das  the.bone SC 440 USB oder das Zoom H2N). Die Aufnahme kann am PC über das kostenfreie Programm Audacity erfolgen[2].

Mit diesem H5P-Plugin, kann hier eine Audiodatei aufgezeichnet werden.

Schritt 2: Audiodateien im Internet zur Verfügung stellen

Als nächstes muss die Audiodatei auf einen Webspeicher ins Internet übertragen werden, damit sie von dort aus abgerufen werden kann. Am einfachsten funktioniert dies, wenn man im Besitz einer Homepage ist und die Datei dort einfach ablegen kann. Ist die Datei dort hochgeladen, so muss nur noch der Dateipfad kopiert werden.

Schritt 2: Audiodateien im Internet zur Verfügung stellen

Als nächstes muss die Audiodatei auf einen Webspeicher ins Internet übertragen werden, damit sie von dort aus abgerufen werden kann. Am einfachsten funktioniert dies, wenn man im Besitz einer Homepage ist und die Datei dort einfach ablegen kann. Ist die Datei dort hochgeladen, so muss nur noch der Dateipfad kopiert werden.

Beispiel-Upload auf eine WordPress-Seite. Dann die Datei-URL (rechts) kopieren und diese dann für den nächsten Schritt verwenden.

Ebenso kann die Audiodatei auf ein Medienportal, z.B. YouTube eingestellt werden. Hier sollte jedoch die damit verbundene Rechteabtretung beachtet werden. Es wird die Einverständniserklärung der zu hörenden Person benötigt. Hier dann den Link zum YouTube-Video kopieren.

Schritt 3: Verknüpfen der Audiodateien mit QR-Codes

Zuletzt muss ein QR-Code generiert werden. Es gibt zahlreiche Anwendungen hierfür im Internet. Es empfiehlt sich eine zu nutzen, die nicht “tracked”, d.h. die möglichst wenig personenbezogene Daten der Scannenden aufzeichnet. T1P.de ist ein Kurz-URL-Service mit   Phishing- & Malware-Schutz, der dies ermöglicht.

Beispiel auf T1P.de. Link kürzen drücken und die Dateien (QR-Code, Link) herunterladen.

Fertig ist der QR-Code zur Audiodatei.

https://t1p.de/pas


[1] Anleitung hier: https://www.giga.de/tipp/m4a-dateien-oeffnen-und-umwandeln-so-wirds-gemacht/

[2] Ein guter Workshop, wie man damit Stimmen aufnimmt und verbessert, findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=eGZ1veqOpTo

Audiowalks

Audiowalk? Was ist das? Ein Audiowalk ist so etwas wie “ein Hörspiel zum Mitlaufen” oder “ein Point-and-Click-Adventure in der Stadt” sagt Sophie Burger von Stroydive.[1]

Audiowalks sind Hörspiele, die mit Umgebungen und Orten verbunden sind. Sie folgen dabei einer ganz bestimmten Route. Audiowalks werden für das Hören an diesen Orten gestaltet. Die Umgebung wird dabei zum Schauplatz einer Geschichte werden…

Die Schritte der Gestaltung eines Audiowalks ist relativ zeitaufwändig und eher für ein größeres Projekt gedacht. Die wichtigsten Schritte werden folgend dargestellt:

  1. Idee entwickeln (Inhalt, Rollen etc.)
  2. Passenden Ort begehen (Route festlegen, Besonderheiten beachten z.B. Baustellen). Wegmarken erstellen (Online-Kartendienst) und die GPS-Koordinaten herauslesen.
  3. Geschichte Schreiben.
    Dabei kann bereits hier darauf geachtet werden, dass neben inhaltlichen Punkten auch Ortsmarkierungen mit einfließen müssen. Es gibt also Texte, in denen ein_e Erzähler_in Hinweise zum weiteren Verlauf, bezogen auf den Ort an dem man sich befindet gibt und Texte, die Figuren erzählen lassen.
  4. Geschichte einsprechen.
  5. Tondateien anhören und passend benennen (z.B. Kapitel 1 usw.).
  6. Einspielen lassen (Ortspiel oder Storydive. Achtung: kostenpflichtig!)

Fabien Eck und Sophia Burger haben in ihrem Handbuch “Mit Orten erzählen. Audiowalks produzieren mit Kindern und Jugendlichen”, welches man hier downloaden kann, die einzelnen Schritte im Detail beschrieben.


[1] https://www.storydive.de/blog/was-sind-audiowalks/

Audiowalk der Evangelischen Jugend Untermain in Zusammenarbeit mit dem lokalen Jugendradiosender Radio Klangbrett.


Es empfiehlt sich auch auf die Plattform von Ortspiel bzw. Storydive zurückzugreifen, um den Audiowalk zu veröffentlichen. Dafür sollte Kontakt zu einem der beiden aufgenommen werden.[1]

Hier kann man die App kostenlos im Google Play Store downloaden.

Hier kann man die App kostenlos im Apple App Store downloaden.


[1] https://www.moviefication.de/ortspiel/

Hörspielboxen selbst gestalten

Nach Walkmans, CD-Player und MP3-Player sind nun Hörspielboxen bei Kindern sehr populär. Kleine Figuren werden auf Boxen mit integrierten Lautsprechern gesetzt und diese geben sodann eine Geschichte wieder.

Diese Boxen kann man mit etwas handwerklichem Geschick, informatorischen Grundkenntnissen und ein wenig Zeit selbst bauen und bespielen.

Zwei aktuelle Maker-Projekte sind die:

Erstere benötigt Kenntnisse im Löten, ist dafür günstiger und schneller startklar (3 Sekunden), letztere kann man einfachzusammenstecken. Beide basieren auf Mikrocomputern (Raspberry Pi bzw. Arduino)

Die TonUINO Box könnte man so beispielsweise in der Kirche platzieren und Kinder könnten über ihre Karten individualisierte Botschaften anhören.

Einen Eindruck erhält man hier.

Zusammenfassung

Die digitalen Technologien öffnen den Horizont hin, religionspädagogische Methoden neu erfahrbar zu gestalten. Insbesondere augmented reality auf Basis von Audioinhalten zeigt, dass nicht immer ein Display benötigt wird. So bleibt der Blick offen für die Umwelt.

Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY-SA 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Hörspiele in der gemeindlichen Arbeit” | Jens Palkowitsch-Kühl | relilab.org | Lizenz: CC BY-SA 4.0.

Teile deine Erkenntnisse mit dem #relilab
Standardbild
Jens Palkowitsch-Kühl

Anschrift
Universität Luzern
Religionspädagogisches Institut
Frohburgstrasse 3
CH - 6002 Luzern

Kontaktiere uns:
mail@relilab.org